Zwei voll besetzte Busse rollen Richtung Süden. In positiver Erwartungshaltung hinsichtlich der zu Hause noch winterlichen Temperaturen und der von Alfred prognostizierten + 20° nehmen wir Kurs auf die Marina Kastela bei Splitt. Dem Navigator des Busses, nicht dem Lenker, sei gesagt, dass der kürzeste Weg nicht immer der schnellste ist. So gilt das zumindest im Straßenverkehr. Eine Busfahrt achteraus war nicht unbedingt Teil des Übungstörns.
Nach zahlreichen, den Rauchern zu Gute kommenden Pausen, rollen wir am späten Nachmittag in der Marina ein. Die Yachten (Bavaria 44) frisch dem Winterquartier entnommen stehen zum Auslaufen bereit. Die Übernahme der Boote von der Charterfirma Bavadria verläuft mängelfrei und problemlos. Die Crewmitglieder der Yacht des Präsidenten kamen in den Genuss für die bevorstehenden, anstrengenden Ausbildungstage ein fünf Liter Gefäß Rotwein als Dankeschön für die Wahl und für das Vertrauen in die Charterfirma, entgegen zu nehmen.
Nach einem gemeinsamen Abendessen wurde sofort abgelegt und mit der ersten Nachtfahrt das Ziel Dubrovnik fixiert. Kaum das Hafenbecken verlassen, wurde die erste Wache sofort mit navigatorischen Übungen konfrontiert. Nachdem der Navigator, in diesem Fall ein vorlauter Prüfungskandidat unter Hilfestellung unseres Skippers Alfred, versucht die im Kurs gelehrte Theorie mit der Praxis in Einklang zu bringen, gingen wir mit einem anderem Ausbildungsschiff unserer Flotte längsseits zu einem Paket. In diesem Sinne haben wir als Führungsschiff die erste Nachtfahrt bestritten. Wohlgemerkt sollte (zukünftig) auf die Funktion des Autopiloten beim untergeordneten Schiff hinsichtlich Manövrierfähigkeit des Paketes verzichtet werden.
Am Morgen trennten wir uns von unserem Partnerschiff mit Skipper Erich und nutzten den aufkommenden Wind mit Stärke von ca. 4 Bft. zum Setzen der Segel. Durch unseren Co Skipper Hannes wurde ein perfekter Trimm vorgenommen und natürlich auch gelehrt, so dass unser Partnerschiff in Kürze achteraus nur mehr sehr klein ausgesehen hat. In Dubrovnik angelangt wurde die Zeit für einen kleinen Sparziergang durch die Stadt mit anschließendem Abendessen genutzt.
Morgens nach dem gemeinsamen Frühstück am Schiff wurde sofort ausgelaufen um mit den prüfungsrelevanten Segelmanövern zu beginnen. Die kritische Würdigung des Präsidenten hinsichtlich der Manöver, auch aus dem Blickwinkel als Funktion eines ÖSV Prüfers, fiel für den Anfang nicht gerade positiv aus. Ganz im Gegenteil versuchte der Präsident, manchmal auch schon Chef genannt, immer wieder Informationen hinsichtlich unserer A-Schein Ausbildung zu bekommen. Als nach unzähligen, schweißtreibenden Manöver schon bald die Dämmerung einsetzte und auch unser Skipper gewisse Anzeichen von Müdigkeit von den vielen Strapazen zeigte, nahmen wir Kurs auf Mljet zum kleinen Dorf Pomena um dort das gemeinsame Abendessen einzunehmen.
Am Morgen hatten wir sofort mit An- und Ablegemanöver begonnen. Alle Variationen wurden unter ständigem Positionswechsel der Crew geübt. Jeder hatte Gelegenheit die Anlegemanöver so oft als möglich zu üben um größtmögliche Sicherheit zu erlangen, so dass sich ein routinemäßiger Ablauf einstellte. Die nahe liegende Bucht eignete sich ausgezeichnet zum Üben des Ankermanövers. Das Ankermanöver wurde schulmäßig als auch praxisgerecht von jedem einzelnen ausgeführt. Bevor jedoch der Anker das letzte Mal gelichtet wurde, kam seitens unseres Skippers die Idee, die momentane Situation zum Servieren einer ordentlichen Jause zu nutzen. Im weiteren Verlauf des Tages nahmen wir Kurs Richtung Lastovo.
Alle weiteren Tage verliefen in ähnlicher Abfolge. Die Schulschiffe hatten jeweils das gleiche Tagesziel vereinbart sodass abends ein gemeinsamer Treffpunkt gegeben war. Zwischen den Tagesetappen wurde immer auf das ausführlichste geübt: Wenden, Halsen, Navigieren, Boje über Bord usw. Der ganze Törn ist natürlich genauestens in der Brückkladde nachvollziehbar. Falls der Wind zum Segeln nicht reichte und auch bei jeder sonstigen Gelegenheit wurde permanent als Vorbereitung zur Prüfung die Kenntnisse der Theorie abgefragt. Die südwestlich gelegenen Inseln von Hvar mit der Palmizana wurden für eine weitere Nachtfahrt mit diversen Ansteuerungen von Buchten genutzt.
Unser Skipper Alfred hatte sich nicht gerade als Freund der New Economy geoutet. Hinsichtlich moderner Kommunikationsmöglichkeiten wie SMS, MMS usw. zeigte er sich sehr wenig interessiert. Das Telefonieren allgemein an Bord sollte nur im Zuge der Freiwache unter Deck erfolgen. Der Gedanke wurde bekräftigt, dass das sportliche Interesse mit großem Sicherheitsaspekt im Vordergrund stehe und die Veranstaltung keinesfalls als ein Pflichtpraktikum für angehende Businesssegler zu verstehen sei.
Der letzte Abend wurde auf der Insel Brac in Milna verbracht. Auf Grund des sehr früh angesetzten Törns im März waren noch nahezu keine Marinas in ordnungsgemäßen Betrieb. Somit ergab sich in Milna erstmals die Gelegenheit einer heißen Dusche. Umso ausgiebiger wurde der Abend bis später Stunde in der Hafenkneipe gefeiert.
Am nächsten Tag wurde noch die Distanz bis zu unserem Ausgangshafen zurückgelegt. Alle Schiffe sind ohne Kratzer wieder am Zielort angekommen. Die gesamte zurückgelegte Distanz betrug 285 Seemeilen. Mit einem gemeinsamen Abendessen am Karfreitag wurde der Ostertörn beendet. Der Autobus brachte uns wieder sicher zurück in die Steiermark.
Als Prüfungskandidat des Fahrtenbereich 3 möchte ich der Ausbildung in Theorie und Praxis des SYCS einen sehr hohen Stellenwert einräumen. Ganz besonders hervorzuheben ist das Engagement aller an der Ausbildung beteiligten Vortragenten und Trainer die diesbezüglich Ihre Freizeit dafür in Anspruch nehmen.