ÖSV-Arzt Dr. Helmut Waidacher

Dieses Skriptum kann medizinisch-fachliche Kompetenz selbstverständlich nicht ersetzen, dennoch soll es beitragen, mit medizinischen Problemen auch in küstenfernen Seegebieten umgehen zu können Unter diesem Gesichtspunkt sind die Handlungsanweisungen zu verstehen, denn medizinisch vorgebildete Mitsegler leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit an Bord.

Die Aufgabe des Laien ist dabei, akute Lebensgefahr oder zusätzliche Schädigungen die bei einem Unfall durch Schmerz oder Verschmutzung von Wunden drohen, zu mindern bzw. abzuwenden.

Grundsätzlich darf der Laie den Arzt nur vertreten, solange es die Notlage zwingend erfordert.


Themengebiete



Bergen

Allgemeine Richtlinien:
  • Lockerung enger Kleidung

  • Bedeckung mit einer Decke (außer bei rotem Gesicht oder heißem Körper)

  • Entkleiden: eventuell Auftrennen von Kleidungsstücken; bei verletzten und anschwellenden Gliedern müssen einschnürende Kleidungstücke entfernt werden, (insbesondere auch Ringe und Uhren bei Handverletzungen, bevor diese nicht mehr abgenommen werden können).


Der Verletzte muß an eine geeignete Stelle zur Durchführung von Blutstillung, Wiederbelebung oder Schockbehandlung gebracht werden. Meist ist die Kajüte zu diesem Zweck am besten geeignet. Der Transport dorthin erfolgt am schonendsten mit dem RAUTEK Griff

  • Anheben im Schulter-Nackenbereich

  • sitzender Verletzter wird mit den Knien abgestützt

  • die Arme des Helfers, die von hinten durch die Achselhöhlen geschoben werden, ergreifen den Unterarm des Verletzten

  • der Helfer geht in die Knie, zieht den Verletzten auf die Oberschenkel und kann ihn fortschleifen


Dieser Rautek Griff kann zum Tragegriff zur Durchführung des Transports vom Deck in die Kajüte erweitert werden


Lagerung

Auf einem Schiff machen Seegang und eingeschränkte Platzverhältnisse das Lagern nach Vorschrift oft nicht oder nur schwer durchführbar. Am besten eignen sich für die Lagerung Kojen. Eventuell ist ein Anbinden des Verletzten erforderlich, um ein Herumrollen zu vermeiden (vor allem bei Bewußtlosen).


Grundsätzliches:

  • Schwerverletzte sollen immer liegen
  • Kleidung ist zu lockern
  • Vermeidung von Bewegungen bei Knochenbrüchen
  • Schutz vor Auskühlung


Stabile Seitenlagerung (NATO-Lagerung):

dient dazu, die Gefahr des Erstickens an Fremdkörpern oder der nach hinten gerutschten Zunge zu bannen (Ausräumung des Mund-, Nasen-, Rachenraumes ist vorher durchzuführen).

  • Beugung des Kopfes in den Nacken
  • Freie Hand unter das Gesicht
  • das unten bzw. oder oben liegende Bein wird gebeugt und stützt dadurch den bauchwärts gedrehten Körper ab (Durchführung siehe Bild!)


Anwendung bei:

  • Bewußtlosen zum Freihalten der Atemwege (Atmung und Kreislauf dürfen nicht eingeschränkt sein)

  • alleingelassenen Verletzten

  • Schädel-, Hirnverletzungen mit gleichzeitiger Hochlagerung des Oberkörpers

  • Erbrechen und Blutung aus Mund und Rachen sowie beim Schock kombiniert mit Schocklagerung


Schocklagerung:

Lagerung mit erhöhten Beinen und Kopftieflagerung (zur besseren Durchblutung von Herz, Gehirn, Lunge und Niere)


Rückenlagerung mit Knierolle:

bei Baucherkrankungen oder -verletzungen zur Verminderung der Bauchdeckenspannung (Schmerzlinderung)


Rückenlagerung mit erhöhtem Kopf und Oberkörper:

Zur Verringerung der Hirndurchblutung bei Kopfverletzungen, Sonnenstich und Hitzschlag


Lagerung bei Brustverletzungen:

Der Verletzte wird mit erhöhtem Oberkörper auf der verletzten Seite gelagert, wodurch eine Belüftung des unverletzten Lungenflügels erleichtert wird.


Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Wiederbelebung

Atem- und Herzstillstand müssen innerhalb von 3 - 5 Minuten beseitigt werden (sonst Todesfolge).

Der Kreislaufstillstand führt zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn, zum Absterben von Gehirnabschnitten und zum Tod. Es muß daher sofort mit der Atemspende und der äußeren Herzmassage begonnen werden. Nur die Stillung einer massiven und lebensbedrohlichen Blutung darf Vorrang haben.


Zeichen des Atemstillstandes

  • Bewußtlosigkeit
  • fehlende Atembewegung des Brustkorbes und des Bauchraumes
  • kein Atemstrom (weder hör- noch fühlbar)
  • Blauverfärbung der Haut, beginnend an Lippen und Fingerspitzen
  • Erweiterung der Pupillen (wie Scheinwerfer)


Zeichen des Herzstillstandes

  • Bewußtlosigkeit
  • keine tastbaren Pulse (vor allem Halsschlagader)
  • Atemstillstand
  • Pupillenerweiterung
  • blasse fahlgraue Hautfarbe
  • fehlende Herztöne (unsicheres Zeichen)


ABC-Regel:
Leitlinie zur Durchführung der Wiederbelebung


  • Atemwege freimachen und -halten
  • Beatmung
  • Cirkulation (Wiederherstellung des Kreislaufs)


ad A

Überstrecken des Kopfes nach hinten und Vorziehen des Unterkiefers (eine Hand wird dabei auf die Stirn gelegt, mit der anderen das Kinn angehoben)

Reinigung der Mundhöhle von Fremdkörpern (Blut, Gebiß, Erbrochenes): indem man den Daumen zwischen Ober- und Unterkiefer fest hineindrückt, wird ein Zubeißen des Verletzten verhindert.

Oft setzt durch das Überstrecken des Kopfes die Spontanatmung wieder ein, da durch das Zurücksinken der Zunge und des Unterkiefers der Zugang zur Luftröhre verdeckt wurde.


ad B

Zwei ARTEN

  • Mund-zu-Nase-Beatmung (Mund des Verletzten muß verschlossen werden), vor allem bei Unterkieferverletzungen.

  • Mund-zu-Mund-Beatmung (Nase des Verletzten muß verschlossen werden)


Die Mund-zu-Mund-Beatmung wird bei Verletzungen, bei Verschluß und Blutung aus der Nase angewendet.

Ein aus hygienischen Gründen zwischengelegtes Taschentuch erschwert die Beatmung.

Die Kontrolle der Effizienz der Beatmung muß durch das Erkennen von Brustkorbbewegungen erfolgen.

Wenn der Halsschlagaderpuls getastet werden kann erfolgt ca. alle 4 - 5 Sekunden ein kräftiger Atemstoß in den Mund des Verunglückten.

Frequenz der Beatmung:

  • Erwachsene: 15 Beatmungen pro Minute
  • Kinder: 25 Beatmungen pro Minute
  • Säuglinge: 45 Beatmungen pro Minute

Bei Kleinkindern und Säuglingen erfolgt die Beatmung durch Mund und Nase.

Dauer der Beatmung:

  • bis Eigenatmung einsetzt
  • bis zwei Stunden lang erfolglos beatmet wurde
  • bis ein Arzt eintrifft.


ad C


Wiederherstellung der Kreislaufzirkulation

Drei Querfinger oberhalb des Brustbeinendes liegt der Herzdruckpunkt (mit dem Finger fährt man am Rippenbogen entlang bis zur Schwertfortsatzspitze des Brustbeins). Der Helfer beugt sich über den Verunglückten und drückt mit gestreckten Armen und beiden übereinanderliegenden Handballen auf den Herzdruckpunkt. (Eindrücktiefe ca. 5 cm)

Der Druck muß senkrecht durch Gewichtsverlagerung des Oberkörpers über die gestreckten Arme ausgeübt werden (der Schwerpunkt des Oberkörpers des Helfers liegt über dem Druckpunkt), ohne die Hände vom Brustkorb abzuheben.

Die Phasen des Zusammendrückens und Entspannens sollten ungefähr gleich lang sein.


Frequenz:

  • bei Erwachsenen: 60 bis 80 Herzmassagen pro Minute
  • bei Kindern: 100 Herzmassagen pro Minute (Durchführung mit einem Handballen)
  • bei Säuglingen: 120 Herzmassagen pro Minute (Durchführung mit zwei Fingern)

Grundsätzlich wird bei der Wiederbelebung mit der Atemspende zur Sauerstoffanreicherung begonnen. Man beatmet am Beginn zweimal langsam und tief.


Zwei Methoden der kombinierten Wiederbelebung:

  • Einhelfer-Methode:Zwei Beatmungen - 15 Herzmassagen - zwei Beatmungen - 15 Herzmassagen, usw.

  • Zweihelfer-Methode: Eine Beatmung - 5 Herzmassagen - eine Beatmung - 5 Herzmassagen, usw.


Die Effizienz der Wiederbelebung ist kontrollierbar durch Tasten der Pulse an der Halsschlagader oder der Beinarterie im Leistenbereich. Die Pupillen werden enger, die Herzaktion setzt schließlich spontan ein (im Idealfall).

Die Wiederbelebung wird bis zum Eintreten einer regelmäßigen Atmung und eines regelmäßigen Pulses bzw. bis zur Erschöpfung der Helfer fortgeführt.

Bei anhaltender Bewußtlosigkeit, jedoch intakter Atmung und tastbarem Puls ist der Verunglückte in stabile Seitenlagerung zu bringen und kurzfristig zu kontrollieren.

Bei Kindern oder Unterkühlten kann sich ein Erfolg der Wiederbelebung eventuell erst nach mehreren Stunden einstellen.

Wichtig: zwischen den Beatmungsstößen und den Druckmassagen dürfen keine Pausen eingelegt werden, sodaß ein Mindestblutdruck nicht unterschritten wird.

Fehler und Gefahren bei der Herzmassage:

  • keine harte Unterlage (Herzmassage im Bett ist ineffektiv!)
  • kein korrekter Druckpunkt
  • Kompression zu ruckartig und zu kurz
  • Druckrichtung nicht senkrecht
  • Handballen wird in der Entlastungsphase vom Brustkorb abgehoben
  • Unterbrechung der Herzmassage von mehr als 5 Sekunden
  • fehlende Erfolgskontrolle


Bewußtlosigkeit:

Nicht unbedingt lebensgefährlich, außer es liegen Hinweise auf Schock, Atem- und Herzstillstand vor.

Häufige Ursachen:

  • Schädelverletzung
  • Schock
  • Herzattacke
  • Schlaganfall
  • Alkoholvergiftung
  • Epilepsie
  • Ohnmacht
  • Unterkühlung

Vorgehen:

  • Kontrolle von Puls,
  • Atmung und Hautfarbe
  • Stabile Seitenlage
  • Atemwege freihalten
  • Atmung und Kreislaufkontrolle


Lebensbedrohliche Blutungen und Blutstillung

Allgemeines:

Erstmaßnahme bei fast allen Wunden ist die Versorgung mit einem sterilen Verband (Wundauflage mit Mullbinden- oder Pflasterfixierung)

Ältere Wunden mit Infektionszeichen (Fieber, Rötung, Schwellung, Schmerzen, eventuell Eitersekretion) müssen vom Arzt behandelt werden.

Beachte:

  • Wunden nie mit Fingern berühren (Einmalhandschuhe verwenden)

  • nie mit Wasser auswaschen

  • Verletzter darf bei der Versorgung nicht stehen

  • Keinesfalls dürfen Salben, Puder, Cremen oder ähnliches in die Wunde eingebracht werden.

Wunde reinigt sich durch den Blutaustritt selbst.

Blutungsarten

  • Arteriell:
    hellrotes Blut spritzt im Rhythmus des Pulsschlages aus der Wunde
  • Venös:
    gleichmäßiger Blutaustritt
  • oft liegt eine gemischte Blutung vor

Versorgung

Die Blutung muß so rasch als möglich gestillt werden, um einem hohen Blutverlust und dem Schock vorzubeugen.

  1. Gliedmaße hochhalten
  2. möglichst sterile Wundauflage, darüber Druckverband (bis dahin Finger- oder Handballen auf die Blutungsstelle pressen)
  3. Abdrücken
  4. Abbindung (letzte Maßnahme)

ad b)

auf die Wunde wird eine keimfreie Wundauflage mit Binden fixiert. Darüber wird ein Druckpolster (Verbandspäckchen, zusammengelegte Taschentücher und dgl.) unter Miteinbeziehung in die Bindengänge fixiert. Bei Notwendigkeit kann ein weiterer Druckpolster verwendet werden.

Gefahr:Venenstauung (herzfern der Verletzung kommt es zu einer blauroten Hautverfärbung, eventuell zu einer Zunahme der Blutung) erfordert ein Lösen sowie Erneuern des Verbandes (Verband ist lockerer zu wickeln).

Achtung:Druckverbände und Abbindung dürfen nie oberhalb des Handgelenkes, im Ellbogenbereich und unterhalb des Kniegelenkes angelegt werden, da an diesen Lokalisationen Nerven oberflächlich liegen und leicht beschädigt werden können.

ad c)

diese Maßnahme ist notwendig, wenn die Blutung bedingt durch ihre Lage weder durch einen Druckverband noch durch Abbinden gestillt werden kann. Eine Blutstillung ist nur durch Abdrücken der versorgenden Arterie möglich.

  • Schläfenschlagader:
    bei Blutungen in der Schläfengegend. Druckpunkt vor dem oberen Rand der Ohrmuschel (Gegendruck von anderer Seite)

  • Gesichtsschlagader:
    bei Blutungen im seitlichen Gesichtsbereich. Druckpunkt in der Mitte des Unterkiefers vor dem Kaumuskel.

  • Halsschlagader:
    bei Blutungen am Hals und Kopf. Druckpunkt am Vorderrand des Kopfnickers etwas unterhalb der Halsmitte. Man drückt mit dem Daumen gegen die Wirbelsäule (höchstens drei Minuten lang, dann vorübergehend lockern).

  • Schlüsselbeinschlagader:
    bei Blutungen in der Achselhöhle. Druckpunkt hinter der Mitte des Schlüsselbeins (man verwendet einen Spatel oder Löffelstiel und drückt gegen die erste Rippe).

  • Armschlagader:
    bei Blutungen am Unterarm. Druckpunkt am inneren Rand des Bizeps in Oberarmmitte.

  • Beinschlagader:
    Druckpunkt im inneren Drittel des Leistenbandes, wobei man mit zwei Daumen gegen den Oberschenkelkopf drückt.

  • Bauchschlagader:
    Druck mit der Faust oberhalb des Nabels gegen die Wirbelsäule (bei Blutungen im Beckenbereich)

ad d)

Eine Abbindung ist eine Notmaßnahme zur Blutstillung, wenn trotz Druckverband die Blutung nicht steht.

Gefahren:

  • Verletzung von Gefäßen und Nerven (eventuell Dauerschäden)
  • Schockzustand nach Öffnen der Abbindung durch Schlackenstoffe
  • eventuell Verlust der Extremität bei einer Abbindungsdauer von mehr als 90 Minuten.

Durchführung einer Abbindung:

  • Extremität hochlagern
  • Abbindung natürlich herzwärts der Blutung
  • Verwendung von breiten Gurtbändern, Gummibändern bzw. Handtüchern oder Dreieckstuch (im Notfall auseinandergerissenes Hemd, Krawatte oä.).

  • Es wird ein sogenannter Quengel- oder Knebelverband angelegt.

Dabei wird das Abbindematerial locker um die Extremität gelegt und verknotet. Nachdem man einen Holzstab oder einen Knebel zwischen die Gliedmaße und dem Abbindematerial geschoben hat, dreht man den Knebel bis die Blutung steht. Anschließend fixiert man den Knebel.

Kontrolle der Abbindung:

  • kein fühlbarer Puls herzfern
  • stehende Blutung
  • Haut bleibt weiß

Raschest ärztliche Versorgung organisieren!!!

Bei Übergabe des Betroffenen an ein Rettungsteam muß unbedingt der Zeitpunkt der Abbindung bekanntgegeben werden bzw. schriftlich auf der Abbindung vermerkt sein.


Vorgehen bei Blutungen in Körperhöhlen:

Brustraumverletzungen:

Kennzeichen:

  • Atemstörungen,
  • Bluthusten (oft durch spielende Rippen verursacht)
  • Luft gelangt in den Brustraum und die Lunge fällt zusammen

Behandlung:

Lagerung auf die verletzte Seite (die gesunde Seite wird entlastet und kann besser atmen)

Offene Brustkorbverletzungen werden mit einem möglichst luftdichten Verband verschlossen (Leukoplast)


Bauchverletzungen:


Verletzte innere Organe, vor allem Milz und Leber, können zu einem Verblutungsschock führen.

Kennzeichen:

  • Harte bzw. gespannte Bauchdecke
  • heftigste Schmerzen
  • Schockzeichen
  • Erbrechen.

Behandlung:

Rückenlage mit angezogenen Beinen kombiniert mit Schocklagerung, bei offenen Verletzungen Fremdkörper belassen; herausragenden Bauchinhalt nicht zurückstopfen, sondern lediglich steril verbinden.

Keinerlei Nahrung oder Flüßigkeit zuführen!


Allgemeine zusätzliche Maßnahmen bei Blutungen in Körperhöhlen:

  • Flachlagerung
  • Kälteschutz
  • Immobilisation


Krampfaderblutungen:

Hochlagerung der Extremität und Druckverband


Nasenbluten:

  • Kopf nach hinten ( Abfließen von Blut in die Luftröhre verhindern, in den Rachen rinnendes Blut kann geschluckt werden),
  • Eispackung oder nasses Handtuch in den Nacken.
  • Zudem drückt man die Nasenflügel gegen die Nasenscheidewand für ca. 5 bis 15 Minuten.
  • Diese Maßnahmen führen meist zu einem Blutungsstillstand. Eventuell ist ein mehrmaliges Zusammendrücken der Nasenflügel notwendig.

Bei Ausbleiben des Erfolges: Durchführung einer Tamponade mit Gaze.


Schock

Definition:

Lebensbedrohliches Kreislaufversagen, wobei die vom Herzen ausgeworfene Blutmenge kritisch vermindert ist. Dies führt zu einem Sauerstoffmangel der Organe. Der Organismus reagiert mit einer Minderdurchblutung der Gliedmaßen, um die inneren Organe ausreichend mit Blut und somit Sauerstoff zu versorgen. Wenn dieser Kompensationsmechanismus zusammenbricht, versackt das vorher "zentralisierte Blut" im Bauchraum und in den Extremitäten, wodurch der Kreislauf zum Erliegen kommt. Nieren- und Lungenversagen (Schockniere, Schocklunge) können die Folge sein. Aus diesem Grunde ist eine möglichst rasche Erkennung und effiziente Behandlung des Schocks notwendig, sodaß irreversiblen Störungen rechtzeitig vorgebeugt werden kann.

Ursachen:

  • Verminderung des Blutvolumens (Blutungen, Knochenbrüche)
  • Verbrennungen, Erbrechen und Durchfälle
  • Verminderung der Herzleistung (Infarkt, Lungenembolie und Herzmuskelentzündung)
  • Bakteriengifte bei Infektionen
  • Allergischer Schock bei Überempfindlichkeit zB. gegen Arzneimittel

Beachte:

Unterscheidung zur Ohnmacht (Kreislaufkollaps):

Dieser liegt einer Blutverteilungsstörung zugrunde, da Blut in den unteren Abschnitten des Körpers versackt. Dies führt zu einer Mangelversorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

Ursachen der Ohnmacht: Schmerz, Schreck, Hitze, Erkrankung.

Die Ohnmacht tritt im Unterschied zum Schock meist ohne erkennbare Ursache plötzlich ein.

Unterscheidung zwischen Schock und Ohnmacht:

  • Schock: rascher, fliegender Puls
  • Ohnmacht: Puls verlangsamt

Maßnahme bei der Ohnmacht: Flachlagerung, Beine hochlagern, eventuell gefäßverengende Mittel

Erkennung eines Schockierten:

  • Unruhe,
  • Angst,
  • Verwirrtheit,
  • Schwindel,
  • Durst,
  • schließlich Apathie bis Bewußtlosigkeit.
  • Die Haut ist blaß, feucht und kalt.
  • Die Pulsfrequenz ist erhöht und fadenförmig, der Blutdruck erniedrigt.

Versorgung eines Schockierten:

  • Blutstillung
  • Verletzten in der Koje lagern (flach, Beine hoch, siehe Bild)
  • Bewußtlose müssen in stabiler Seitenlagerung versorgt werden
  • Schutz vor Unterkühlung oder Überwärmung
  • Schmerzbekämpfung: keine unnötigen Bewegungen, Verabreichung von Schmerzmitteln
  • Verabreichung kleiner Flüssigkeitsmengen zur Kreislauffüllung.
    (Elektrolytlösungen zB: ein TL Zucker und ein TL Salz auf ein Liter Wasser)
    Bei Bewußtlosen, bei Schluckbehinderung sowie Schädelhirnverletzungen, Brechreiz und Erbrechen darf keine Flüssigkeit oral zugeführt werden
  • Mut zusprechen, Beruhigung
  • bei anhaltendem Schockzustand: möglichst rasch Arzt oder Krankenhaus


Prellungen, Quetschungen, Verrenkungen

Kälteanwendung

Kann bei jeder frischen Verletzung angewendet werden (Wunden, Knochenbrüche, Prellungen, Verstauchungen usw.). Die Kälteanwendung ist eine sehr gute Erstmaßnahme, jedoch keine Behandlung.

  • nie direkt die Haut mit kalten Umschlägen oder Eis behandeln. Zuerst elastische Binde über die Verletzung, darüber die chemische Kältepackung oder einen Sack mit zerstoßenem Eis mit einer Binde fixieren.

Vorsicht: bei zu starker Kälte nehmen die Schmerzen zu.

  • die Mindesteinwirkdauer beträgt 20 Minuten, bei tieferen Verletzungen bis maximal 60 Minuten; eventuell ist eine mehrmalige Anwendung notwendig, wobei Pausen und Anwendungsdauer ungefähr gleich lang sein sollten.

  • die Kälteanwendung entzieht dem Körper Wärme, daher muß unbedingt für Wärmeschutz gesorgt werden.

Prellungen:

Schwellung und Blauverfärbung, Schmerzen bei Bewegung.

Maßnahmen:

  • Ruhigstellung (grundsätzlich dann, wenn Bewegungen Schmerzen verursachen),
  • feuchtkalte Umschläge,
  • eventuell Salbenverband.

Quetschungen:

Schwellung, Blauverfärbung, Bewegungseinschränkung

Maßnahmen:

  • Ruhigstellung,
  • eventuell Schienung und
  • Schmerzmittel.

Verstauchung oder Zerrung:

Durch Gewalteinwirkung kommt es zu einer Zerrung mit eventueller Zerreißung der Haltebänder. Dies führt zu Bluterguß und Schwellung, sowie zuweilen zu heftigen Schmerzen.

Maßnahmen:

  • Ruhigstellung,
  • kalte Umschläge,
  • elastischer Verband nach Abschwellung.

Verrenkungen:

Definition:

Es tritt ein Knochenteil aus dem Gelenk (Gelenkskopf dialoziert, "Gelenkspfanne ist leer"). Die Gelenkskontur ist verändert (Vergleich mit nichtbetroffenem gleichen Gelenk, Abtasten). Stets ist die Gelenkskapsel mit Haltebändern teilweise oder vollkommen zerrissen, nicht selten sind Nerven, Muskeln und Gefäße mitbeteiligt. Dies äußert sich oft in Form einer massiven Schwellung, dem Auftreten eines Blutergusses und heftiger Schmerzen sowie Bewegungsunfähigkeit im betroffenen Gelenk.

Versorgung:

Einrichtung unter langsamen Zug (mehrere Minuten lang in Richtung der Knochenachse (so rasch als möglich, da mit zunehmender Zeit die Muskelspannung ansteigt und somit das Einrichten behindert bzw. unmöglich macht). Nach dem Einrichten unbedingt Ruhigstellung über mehrere Tage.

Bei Knochenbruchzeichen: keine Einrichtversuche, sofort zum Arzt.

Bei Aussicht auf rasche ärztliche Hilfe bei Verrenkungen ohne Knochenbruchzeichen keinerlei Einrenkversuche unternehmen.


Knochenbrüche

Arten

  • Geschlossene Knochenbrüche: lediglich der Knochen ist verletzt
  • Offene Knochenbrüche: zusätzliche Hautwunde im Bruchbereich, Infektionsgefahr

Erkennung und Symptome

Wann denkt man an einen Knochenbruch?

  • Nach einem entsprechenden Ereignis bzw. Unfall (zB. Sturz)
  • Hörbares "Knacken"
  • Schmerzen und Druckempfindlichkeit
  • Schwellung
  • eventuell Deformierung
  • abnorme Beweglichkeit mit Reiben und Knirschen
  • Gebrauchsunfähigkeit der betroffenen Gliedmaße

Versorgung der einzelnen Brüche

Allgemeine Versorgungsrichtlinien:

  • Alle Knochenbrüche müssen zur Vermeidung weiterer Schäden, Schmerzen und eines eventuellen Schockgeschehens geschient bzw. ruhiggestellt werden (aufblasbare Schienen, die zugleich wärmeisolierend wirken; biegsame Cramer-Drahtschienen, spezielle Kunststoffgipsschienen, ideal sind Vakuummatratzen bzw. -kissen; behelfsmäßig können auch Pappe, zusammengerollte Zeitungen oder eventuell sogar Blech verwendet werden).

  • Schmerzbehandlung

Grundsätze bei der Ruhigstellung durch Schienung

  • an gesunder Körperseite anpassen

  • Stets müssen benachbarte Gelenke miteinbezogen werden, sodaß dort keine Bewegung möglich ist.

  • Ausreichende Polsterung der Schienen um Druckverletzungen der Nerven sowie Zirkulationsstörungen zu vermeiden.

  • Beobachtung peripher liegender Abschnitte in Bezug auf Verfärbung, Kälte und Gefühllosigkeit (meistens Lockerung des Verbandes und Neuanlegung notwendig).

  • Der Puls muß peripher der Schienung tastbar sein.

Häufig vorkommende Brüche und deren Versorgung

  • Schlüsselbeinbruch:

    Rucksackverband z.B. mit zwei bis drei verknoteten Handtüchern Ruhigstellung des Armes mit Dreieckstuch

  • Oberarmbruch:

    Unterarm im Armtragetuch und Fixierung des Oberarms am Rumpf (mit Handtüchern oder Krawatten)

  • Unterarmbruch, Handbruch:

    Armtragetuch (Dreieckstuch) bzw. Behelfsschienung mit Zeitungen oder Pappendeckeln. Wichtig ist dabei die Hand bis in Herzhöhe anzuheben um Schwellungen zu verhindern.

  • Fingerverletzungen:

    Fixierung in halber Beugestellung;

    Faustverband (mit Stoff- oder Papierballen in der Hohlhand, darüber mehrere Bindetouren) wenn mehrere Finger verletzt sind.

  • Wirbelsäulenverletzungen:

    Symptome: Lähmungen und Gefühlsverlust unterhalb der Verletzungshöhe.

    Versorgung:

    • Keine Manipulationen wie Knicken oder Verdrehen der Wirbelsäule (Gefahr eines Querschnitts)
    • Nie aufrichten.
    • Kopf so gut als möglich stabilisieren.
    • Transport nur fixiert auf einer harten Unterlage (Kojenbretter, Gräting oder Kajütboden, Fixierung mit handtüchern oder zB. mit Streifen von Segelsäcken).

    Bei Verdacht auf Halswirbelsäulenverletzung:

    Kopf strecken, nach hinten neigen (zusammengerollte Decke oder Kleidungsstücke in den Nacken).
    Rascheste ärztliche Versorgung oder Kontrolle notwendig.

  • Rippenbruch:

    Entsteht meistens bei Stürzen auf Winschen, Relingsstützen und in offene Backskisten uä.

    Versorgung:

    • Schmerzmittel, eventuell elastische breite Binden, die im Stadium der Ausatmung angelegt werden.

    Gefahr:

    • Anspießung der Lunge führt zu Atemnot und eventuellem Bluthusten. Bei Verletzung von Leber und Milz kann sich ein Schockgeschehen entwickeln (rascheste ärztliche Hilfe notwendig)

  • Ober- und Unterschenkelbrüche:

    Versorgung durch Ruhigstellung in der Koje mittels Auspolsterung zur Bordwand hin (mit Hilfe von Decken, Pölstern, Kissen oder Segelsäcken uä.), sodaß das Bein derart ruhiggestellt ist. Eine "lehrbuchmäßige" Schienung erfolgt am besten im nächsten Hafen durch die Rettungsbesatzung. Eine behelfsmäßige sorgfältige Schienung (am besten mit Brettern seitlich und hinten) ist vor der Übergabe des Verletzten an andere Schiffe unbedingt durchzuführen.

    Das geschiente Bein ist am gesunden Bein zu fixieren, wobei zwischen den Knien und Füßen abgepolstert werden muß.

    Beachte: Manipulationen stets nur unter Zug.

  • Knöchelverletzungen:

    Versorgung durch Hochlagerung, kühle Umschläge und Bettruhe (Schuhe ausziehen, um Zirkulationsstörungen durch Schwellung zu verhindern).

  • Vorfuß- und Zehenverletzungen:

    Hochlagerung und kühle Umschläge, Schienung nicht notwendig.

Versorgung von offenen Brüchen

  • Wunde nicht säubern, keine Salben, Puder oder Sprays.

  • Steril abdecken. Kompressionsverband bei Blutung.

  • Bei eventuellem Weiterbluten: manueller Druck bis hin zur Abbindung (wenn möglich unter ärztlicher Aufsicht), ärztliche Versorgung.

Schädelverletzungen

Ursache:

eine starke Gewalteinwirkung auf den Schädel kann zu lebensgefährlichen Beinträchtigungen des Gehirns führen. Äußere Verletzungen, wie blutende Kopfwunden oder ein zu ertastender Schädelbruch erlauben keine Rückschlüsse auf den Schweregrad der Gehirnverletzung.

  • Gehirnerschütterung:

    kurze Bewußtlosigkeit, Gedächtnislücke, Kopfschmerzen, Übelkeit, eventuell mit Erbrechen.

    Behandlung: Schonung (absolute Bettruhe sowie Beobachtung)

  • Schädelhirnprellung:

    Bewußtlosigkeit länger als eine Stunde, ungleich weite Pupillen, eventuell Unruhe bis hin zur Verwirrtheit, bisweilen unregelmäßige Atmung und Pulsverlangsamung.

    Behandlung: absolute Bettruhe, so rasch wie möglich ins Spital.

  • Schädelbasisbruch:

    Blut oder klare Flüssigkeit kann aus dem Ohr, dem Mund oder auch aus der Nase austreten; häufig Auftreten eines Brillenhämatoms (die Augen umgebender Bluterguß).

    Behandlung: Kopf erhöht lagern, bei Bewußtlosigkeit stabile Seitenlage, intensive Beobachtung (Atmung, Kreislauf und Schock).


Thermische Schäden

Hitzeschäden

Unter Hitzebedingungen wird Wärme über die Haut an die Luft oder das Wasser abgegeben. Lufttemperatur mehr als 37°: Wärmeabgabe an die Luft ist aufgehoben. Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist Wärmeabgabe durch Verdunstung eingeschränkt, sodaß unter ungünstigen Bedingungen (hohe Außentemperatur, hohe Luftfeuchtigkeit und geringe Luftbewegung) eventuell in Kombination mit vermehrter Wärmeproduktion (körperliche Arbeit) Hitzeschäden auftreten können.

Hitzekrämpfe

Entstehen durch starkes Schwitzen aufgrund eines Flüssigkeits- und Salzverlustes zB. bei schwerer Arbeit in großer Hitze. Es treten Muskelzuckungen und schließlich Krämpfe vor allem im Bereich der Arm-, Bein-, und Rückenmuskulatur auf. Zusätzlich kann Schwäche, Übelkeit, Erbrechen und eine Bewußtseinstrübung auftreten.

Maßnahmen: Trinken von salzhaltigem Wasser bzw. Einnehmen von salzhaltiger Kost wie Suppen, Salzgebäck uä., kühle Umgebung, im Falle von Bewußtlosigkeit: stabile Seitenlagerung

Hitzekollaps

Entsteht durch Versacken von Blut in den durch Wärme erweiterten Gefäßen der Peripherie, wodurch eine Verminderung des Herzauswurfvolumens resultiert.

Die Haut ist gerötet, schweißbedeckt, die Körpertemperatur nahezu normal. Es können Schwindel, sowie Sehstörungen und plötzliche Ohnmacht auftreten.

Maßnahmen: Flachlagerung oder stabile Seitenlagerung (vor allem bei Erbrechen kühle Umschläge, Kreislaufmittel ( Effortiltropfen, DHE-Tropfen), Flüßigkeitszufuhr nur bei erhaltenem Bewußtsein (ein TL Kochsalz auf einen Liter abgekochtes Wasser).

Hitzschlag

Der Körper kann überschüssige Körperwärme nicht mehr an die Umgebung abgeben.

Entsteht bei hoher Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit (Schweißproduktion vermindert). Körperliche Arbeit und entsprechende Kleidung begünstigen das Auftreten eines Hitzschlags.

Die Haut ist rot, trocken und heiß, die Körpertemperatur kann bis zu 43° steigen. Es treten Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Muskelkrämpfe bis hin zu unregelmäßiger Atmung mit Pulserhöhung und Blutdrucksenkung auf.

Eventuell Lebensgefahr!

Maßnahmen: Flachlagerung in kühler Umgebung (bei Bewußtlosigkeit stabile Seitenlage), Entkleiden, kalte Umschläge oder Eispackungen auf Stirn, Nacken, Rumpf und Gliedmaßen bis sich die Haut nach Entfernen der Kälteanwendung nicht mehr rot verfärbt. Bei Körpertemperatur unter 38,5° sind die Kühlmaßnahmen zu beenden.

Sonnenstich

Entsteht durch direkte Sonneneinwirkung auf den ungeschützten Kopf (gefährdet sind vor allem Kleinkinder, da es bei ihnen leichter zu Reizungen der Hirnhäute mit Auftreten von Hirndruckzeichen kommt).

Symptome:

  • Gesicht eventuell heiß und rot,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Kopfschmerz,
  • Krämpfe,
  • Verwirrtheit bis hin zur Bewußtlosigkeit.

Maßnahmen:

  • Kühle Umgebung,
  • Entkleiden,
  • kalte Kompressen Stirn, Nacken und Brust,
  • Flüssigkeitszufuhr.
  • Bei gerötetem Kopf: Hochlagerung desselben.

Als Dauerfolgen des Sonnenstichs können des öfteren Kopfschmerzen auftreten.

Verbrennungen und Verbrühungen

Verbrennung: Schädigung durch Hitze (Feuer und Explosionen uä.)

Sind mehr als 20 % der Körperoberfläche betroffen, besteht Lebensgefahr.

Verbrühung: Schädigung durch heiße Flüssigkeit oder heißen Dampf (beim Einatmen kann sich ein Schock entwickeln bzw. die Lunge schwer geschädigt werden).

Allgemeine Maßnahmen:

  • Entfernung aus dem Gefahrenbereich

  • Anwendung von fließendem Kaltwasser bis zur Erlangung der Schmerzfreiheit (es kann auch Seewasser verwendet werden), Übergießen mit kaltem Wasser bzw. Eintauchen des betreffenden Körperteiles in kaltes Wasser.

  • Verabreichung von salzhaltigen Flüssigkeiten (ein TL Salz auf ein Liter Wasser) oder Mineralwasser ohne Kohlensäure zur Schockvorbeugung.

  • Bei brennender Kleidung Übergießen mit Wasser bzw. Rollen des Brennenden am Boden. Keinesfalls angeklebte Kleidung versuchen abzureißen (große Wundflächen können eröffnet werden).

  • Brandwunden nie mit Öl, Fett oder anderen Mitteln bestreichen.

  • Schmerzbekämpfung (mit kaltem Wasser, Schmerzmittel)

  • Verhinderung von Unterkühlung und Überwärmung.

  • Spitalsbehandlung bei mehr als 10 % befallender Körperoberfläche, Schockzeichen und Verbrennungen der Luftwege.

Einteilung nach dem Schweregrad:

(abhängig von der Temperatur und Einwirkzeit)

I Grad: betroffen sind die obersten Hautschichten. Es treten Hautrötung und Schmerzen (durch Reizung von oberflächlichen Hautnerven) auf. Beispiel: Sonnenbrand

II Grad: tiefere Hautschichten sind betroffen. Die Haarbälge und Talgdrüsen sind unbeschädigt, sodaß von diesen Organen aus die Selbstheilung erfolgen kann. Auftreten von Brandblasen (Gewebsflüßigkeit zwischen Ober- und Unterhaut sehr schmerzhaft. → Brandblasen nicht eröffnen!

III Grad: alle Hautschichten sind verbrannt inkl. Haare, Drüsen, Haarbälge und Nervenendigungen. Die Oberfläche erscheint schneeweiß bis bräunlich-schwarz. Kaum Schmerzen!

Oft sind alle drei Stadien nebeneinander anzutreffen (Behandlung bei drittem Grad: Hauttransplantation).

Komplikationen:

  • Wundinfektion
  • Verbrennungsschock: durch Eiweiß, Elektrolyt und Wasserverlust
  • Nierenversagen

Lokale Versorgung:

I Grad:

kühlende Salben oder Cremen (Decoderm oder Nerisona), eventuell Zitronensaft, steril verbinden.

II Grad:

Reinigung und Salbenverband unter Verwendung antibiotischer Salben

III Grad:

Fettgaze (Sofratüll), Flammazine-Creme, Betaisodona-Salbe (ca. 2 mm dick mit lockerem sterilem Verband). Im Notfall können saubere Tücher zur Bedeckung der Verbrennung verwendet werden.

Brandblasen nicht eröffnen (Infektionsgefahr); wenn sie platzen, mit Pinzette abtragen und antibiotische Salben auftragen

Sonnenbrand

Der Sonnenbrand ist eine Brandverletzung mit starker Rötung, Spannungsgefühl und Berührungsempfindlichkeit der Haut. Es kann auch zur Blasenbildung kommen. Kinder sind empfindlicher als Erwachsene, ebenso hellhäutige und blonde im Gegensatz zu dunkelhäutigen und dunkelhaarigen Personen.

Selbst optimale Sonnencremen bieten keinen 100%igen Schutz.

Vorbeugung:

Sonnencreme mit LSF von mindestens 10, die mehrmals täglich aufgetragen wird; die Creme soll wasserfest sein.

Ausreichende Kopfbedeckung und Kleidung, Sonnenbrille

Behandlung:

  • Schutz vor Sonneneinstrahlung,
  • Kortisonsalbe mehrmals täglich lokal anwenden
  • feuchtkühle Umschläge
  • reichlich Flüssigkeitszufuhr

Das Hautkrebsrisiko steigt mit der Zahl der stattgehabten Sonnenbrände!!!

Sonnenallergie

Es handelt sich hierbei um eine Unverträglichkeit von UV-Strahlen.

Es können Rötungen, Knötchen und Bläschen auftreten (vor allem im Bereich der Wangen, der Brust und der Streckseiten der Arme).

Behandlung:

wie beim Sonnenbrand, keine medikamentösen Vorbeugungsmöglichkeiten.

Unterkühlung

Die Unterkühlung tritt meist nach Bergung aus dem Wasser bzw. nach längerem Aufenthalt an Deck bei entsprechenden Temperaturen auf.

Durch Regulationsmechanismen behält der Körperkern eine höhere Temperatur als die Peripherie um die lebensnotwendigen Funktionen aufrecht zu erhalten.

Alkohol erweitert die Blutgefäße der Haut, wodurch es zu einer vermehrten Wärmeabgabe kommt, zudem wird das Temperaturregulationszentrum im Gehirn gestört. Alkohol beschleunigt daher die Unterkühlung.

Einteilung in Stadien:

Erregungsstadium:

  • Körperkerntemperatur 34 bis 36°,
  • Kältezittern (Muskelzittern),
  • Haut weiß,
  • Puls beschleunigt,
  • Atmung vertieft und beschleunigt,
  • Bewußtsein erhalten.

Erschöpfungsstadium:

  • Körperkerntemperatur 29 bis 34°,
  • die Muskeln werden starr,
  • Puls und Atmung sind verlangsamt,
  • die Haut bläulich,
  • wirres Verhalten und
  • Halluzinationen,
  • Bewußtsein deutlich eingeschränkt,
  • Gefahr des Herzstillstandes.
  • Lähmungsstadium: Puls und Atmung sind nicht nachweisbar,
  • Pupillen weit,
  • reagieren träge auf Licht,
  • die Muskelstarre löst sich,
  • Haut ist wachsartig,
  • Bewußtlosigkeit.

Das zweite Stadium tritt im kalten Wasser bald ein.

Ab einer Körperkerntemperatur von unter 20° tritt der Unterkühlungstod ein.

Oberhalb von 20° laufen die Stoffwechselvorgänge äußerst verlangsamt ab, sodaß der Betroffene wie tot erscheinen kann (wegen der durch die Kälte bedingten geringeren Empfindlichkeit des Gehirns auf Sauerstoffmangel kann eine Wiederbelebung auch noch nach Stunden erfolgreich sein).

Behandlung bei leichter Unterkühlung (Bewußtsein ist erhalten):

  • Schutz vor weiterem Wärmeverlust durch Anziehen von warmen Kleidungsstücken,
  • Einhüllen in Decken und Folien,
  • Schonung,
  • Verabreichung von warmen gezuckerten Getränken,
  • kein Alkohol!

Behandlung bei schwerer Unterkühlung

(Bewußtseinseinschränkung o. -verlust)

  • Schutz vor weiterem Wärmeverlust (s.o.)
  • möglichst horizontale Bergung und Vermeidung von unnötigen Bewegungen,
  • Versorgung in gut gesicherter Koje
  • Beobachtung von Kreislauf und Atmung
  • bei Bedarf: Wiederbelebungsmaßnahmen

Verboten bei schwerer Unterkühlung ist:

  • aufwärmende Bewegungen, es kann dabei ein sogenannter Afterdrop auftreten (Blutumverteilung von der kalten Peripherie in den Körperkern und umgekehrt; aufgrund der Erwärmung der Peripherie kann es zu einem Versacken des Blutes dortselbst und zu einem Kollaps kommen)

  • heißes Abduschen oder Vollbad

  • Flüssigkeits- und Medikamentenzufuhr bei getrübtem Bewußtsein


Bei schwerer Unterkühlung ist die Verlegung auf eine Intensivstation notwendig.


Die Hauptgefahr bei Unterkühlten stellen tödliche Herzrhythmusstörungen dar, weshalb der Puls bis zum Erreichen der normalen Körpertemperatur überwacht werden muß.

Maßnahmen gegen Unterkühlung bei Verlassen des Schiffes

  • möglichst viel anziehen (Wollmütze, Schal, Segelstiefel und Ölzeug, welches an Hand- und Fußgelenken zugebunden wird; die eingeschlossene Luft erhöht den Auftrieb)

  • vor Verlassen des Schiffes reichlich heiße Flüssigkeit zu sich nehmen

  • Verhalten im Wasser: keine unnötigen Bewegungen (Wärme- und Kraftverlust)


Einnehmen einer kauernden Haltung

enger Zusammenschluß mehrerer Personen, die untereinander mit Leinen gesichert sind (psychologische Wirkung)

Erkältung

Ursachen: Kälte, Nässe, Wind können bei herabgesetzter Widerstandskraft Viren und Bakterien in ihrer Tätigkeit begünstigen, sodaß es zu Erkältungskrankheiten der Atemwege kommt.

Vorbeugung: Schlaf in ungeheizten Räumen, sinnvolle Abhärtung, Saunabesuch bei Erkältung verboten)

Behandlung:

  • Inhalationen (aufkochendes Wasser mit ätherischen Ölen tief inhalieren),
  • Schwitzpackungen (in heißes Wasser getauchtes Tuch um Brust und Hals, darüber trockene Tücher ),
  • bei bakteriellen Infekten entsprechendes Antibiotikum fiebersenkende Mittel ab Temperaturen von mehr als 39°.


Vergiftungen

Gift:

fester, flüssiger oder gasförmiger Stoff der in Abhängigkeit von seiner Dosis durch seine physikalischen oder chemischen Eigenschaften im Körper zu schädlichen Wirkungen oder zum Tode führen kann.

An Bord kommen am ehesten Vergiftungen durch verdorbene Nahrungsmittel, Motorabgase, Tabletten und vor allem durch übermäßigen Alkoholgenuß vor.

Allgemeinmaßnahmen:

  • Entfernung des Vergifteten aus dem Gefahrenbereich (Motorraum, ofengeheizte Kajüte uä.)

  • Elementarhilfe: Atemwege freihalten und eventuell Atemspende sowie Erhaltung des Kreislaufs und der Herztätigkeit.

  • Giftentfernung aus dem Körper:

Salzwassermethode:

(ein bis zwei EL Salz auf 1 l Wasser) ein Liter davon schnell trinken lassen, bis Erbrechen eintritt. Es wird weiter getrunken bis klare Flüssigkeit erbrochen wird.

Giftentfernung durch Erbrechen darf nicht durchgeführt werden bei:

  • Bewußtlosen

  • Verätzungen durch Laugen und Säuren: man verabreicht reichlich kohlensäurefreie Flüssigkeit


Bei Säureverätzungen unternimmt man einen Neutralisationsversuch mit Milch und mehreren eingerührten Eiern.

Bei Laugenverätzungen neutralisiert man mit Zitronensaft oder verdünntem Speiseessig.

Giftentfernung aus dem Darm:

Mit Tierkohle zur Bindung des Giftes und eventuell ca. 30 Gramm Glaubersalz (Natriumsulfat) um den Transport des Giftes im Darm zu beschleunigen.

Vergiftung durch Gase

Vergiftungen an Bord entstehen in erster Linie durch Kohlenmonoxid (Motorabgase)

Symptome:

  • Kopfschmerzen,
  • Übelkeit,
  • Schwindel,
  • Ohrensausen,
  • Erregungszustände,
  • danach Lähmung mit hellroten Lippen und ebensolcher Gesichtsfarbe,
  • Pulsbeschleunigung bis hin zur Atemlähmung.

Maßnahmen:

  • Vergifteten sofort an die frische Luft
  • Bei Bewußtseinsstörung stabile Seitenlagerung
  • eventuell ABC

Alkohol an Bord

Alkohol in kleinen Mengen führt zu einer kurzen Aufputschung mit geistigem und körperlichem Leistungsanstieg. Sehr rasch kommt es jedoch zu Abgespanntheit, stärkerer Ermüdung und Gleichgültigkeit.

In größeren Mengen über einen längeren Zeitraum genossen, führt der Alkohol zu einer Verlangsamung und Abnahme des Reaktionsvermögens, zu einer Überbewertung der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit und zu zunehmender Kritiklosigkeit bei Abschätzung von Gefahren.


Körperliche Bewegungen und zweckgerichtete Handlungen können außer Kontrolle geraten (erhöhte Unfallgefahr, Ausfall von Crewmitgliedern bei Schwerwetter, Navigationsfehler und damit Gefährdung der gesamten Crew).

Biergenuß führt zu vermehrtem Harndrang. Bei der "Außerbordmethode" besteht die Gefahr des Überbordgehens.

Sukkus: Alkoholgenuß während eines Törns ist zu minimieren (man kommt ja wieder in einen sicheren Hafen)!


Seekrankheit

Bedeutung

Die Seekrankheit ist eine wirkliche Erkrankung, die häufig auftritt und sehr oft über einen Törnerfolg entscheiden kann. Ihre Gefahr liegt vor allem in der depressiogenen Wirkung bis hin zum Auftreten von Selbsttötungsabsichten.

Entstehung durch:

  • Einwirkung der Schiffsbewegung auf das Gleichgewichtsorgan im Innenohr.

  • Optische Eindrücke.

  • Gerüche aus Motorraum oder Kombüse

  • Nervosität

  • Falsche Ernährung

  • Übermäßigen Alkoholgenuß

Maßnahmen

  • Erkennen und Vermeiden von fördernden Einflüssen.

  • Bei Befall den Betroffenen unter Deck bringen (an einen gut belüfteten und möglichst ruhigen Platz, allgemein mittschiffs).

  • Bei notwendigem Übergeben unbedingt Sicherung durch Lifebelt.

  • Keinesfalls das Gefühl des Sichschämenmüssens vermitteln, aufmunternder Zuspruch kann sich positiv auswirken.

  • Bei Selbsftötungsabsichten → Anschnallen des seelisch Erkrankten und eventuell Verabreichung eines Beruhigungsmittels (eine Ampulle Valium i.m.).

  • Ablenkung des Betroffenen durch leichte Arbeiten (Rudergehen)

Vorbeugung

  • Bewußte Ernährung
  • Vermeidung von Alkohol
  • Eindämmung der Geruchsbelästigung durch Lüften
  • Einnahme von Medikamenten

Medikamentöse Vorbeugung bzw. Behandlung

Dazu gibt es verschiedene Mittel auf dem Markt, die zur Gruppe der sog. Antihistaminika gehören, die im allgemeinen leicht ermüdend wirken können.

Beispiele:

Stutgeron, Cinabene, Cinnarazini Vomex A, Bonamine, Vertirosan u.a.m.

Um eine möglichst wirksame Vorbeugung zu erzielen, sind diese Mittel im allgemeinen ca. 2 Stunden vor dem Auslaufen einzunehmen (Genaueres: siehe Beipacktext).

Eine Aufnahme durch die Haut gewährleistet ein Pflaster (Scopoderm TTS), welches ca. 6 bis 7 Stunden vor dem Auslaufen im allgemeinen hinter dem Ohr appliziert wird. Die Wirkungsdauer erstreckt sich aber bis zu 72 Stunden.

Bei Auftreten von massiver Angst und Spannung können, womöglich unter ärztlicher Aufsicht, geeignete Psychopharmaka verabreicht werden.


Ertrinken

Jährlich ertrinken ca. 150.000 Menschen, 50 % sind davon Kinder unter 10 Jahren.

Hauptursache bei 18 - 45jährigen ist der Alkohol. Bei älteren Ertrunkenen sind Kreislaufkollaps, Erschöpfung, Infarkte, Epilepsie und Schädelhirntraumen vor allem ursächlich.

Rettungsmaßnahmen haben auch dann einen Sinn, wenn ein Ertrunkener bis zu einer Stunde im Wasser war, da durch die Kälte die Organfunktionen auf ein Minimalmaß reduziert werden (minimaler Sauerstoffverbrauch).

Ertrinken im Süßwasser:

  • Wasser tritt ins Blut über,

  • Störung des Mineralhaushaltes im Blut,

  • Sauerstoffmangel,

  • eventuell Kammerflimmern

Ertrinken im Meerwasser:

  • durchschnittlicher Salzgehalt 4 %,

  • Eiweiß tritt in die Lungenbläschen über (Entstehen eines Lungenödems),

  • ein eventuell rötlicher Schaum tritt im Mundbereich auf

Bergung:

Ein Ertrinkender befindet sich in Panik und schlägt um sich. Folgende Vorgangsweise ist zu empfehlen:

  • Zurufen

  • Anschwimmen am besten von hinten

  • Erfassen an Haaren, Kinn, Schultern oder Armen und Stoß mit dem Knie um den Körper des Ertrinkenden hochzudrücken (Schutz vor Umklammerung, Hand gegen Kinn, Knie gegen Leib, eventuell untertauchen)

  • Transport im Wasser: Ertrinkender wird am Rücken liegend vom rückenschwimmenden Retter transportiert.

Versorgung:

  • bei Atemstillstand: Anwendung der ABC-Regel

  • Keinesfalls versuchen, Wasser aus den Lungen zu entfernen (gelingt nur durch Absaugen)

  • nasse Kleidung durch trockene ersetzen, Decken gegen Unterkühlung

  • ständige Kontrolle von Atmung und Puls

  • Einschlafen verhindern, da Schlafender von Bewußtlosem nur schwer unterschieden werden kann (bei Bewußtlosigkeit stabile Seitenlage)

  • ärztliche Hilfe wegen eventueller Spätschäden durch Störung des Mineralhaushaltes im Körper ("sekundäres Ertrinken")


Verschiedene Krankheitsbilder bzw. Verletzungen

Allergien

Kennzeichen: Stark juckende Hautrötung oder Quaddeln (meist durch verschiedene Nahrungsmittel oder Medikamente verursacht).

Behandlung: Vermeidung der auslösenden Ursache, Antiallergikum (Tavegyl Tabletten 3 x 1, eventuell über mehrere Tage) und Cortisonsalbe (zB. Topsym) auf die betroffenen Hautpartien.

Angelhakenverletzung

Der Haken wird unter der Haut vorgeschoben, bis die Spitze mit einer Zange sicher faßbar ist. Danach wird das Hakenende abgezwickt und der verbleibende Rest in der Eintrittsrichtung herausgezogen.

Fremdkörper im Auge

Fremdkörper befinden sich meist unter dem Oberlid und sind nicht sichtbar.

Behandlung: Das Oberlid wird über einem Zündholz nach oben geklappt, sodann wird der Fremdkörper mit einem feuchten Tupfer entfernt (das Oberlid wird an den Wimpern gefaßt). Danach wird eine antibiotische Salbe eingestrichen (zB.: Refobacin Augensalbe)

Bindehautreizung bzw. -entzündung

Entsteht meist durch Salzwasser, Sonne oder Wind und äußert sich durch eine gerötete, brennende Bindehaut mit verstärktem Tränenfluß, Fremdkörpergefühl und Lidkrampf.

Behandlung: Visadron, Otriven Tropfen alle zwei Stunden in das Auge, Sonnenschutz: Schirmmütze. Bei schleimiger, bzw. eitriger Absonderung sind antibiotikahältige Augentropfen mehrmals täglich einzubringen (zB. Refobacin-Augentropfen).

Fieberblasen

Eventuell schmerzhafte Bläschengruppen an den Lippen und Umgebung.

Ursache: Viren, die nach Ansteckung zeitlebens unter der Haut befindlich durch UV-Strahlen aktiviert werden können.

Vorbeugung: Abdecken mit UV-dichten Salben mehrmals täglich.

Behandlung: Zovirax-Salbe vor dem Auftreten der Bläschen, danach kann man nur abwarten bis die Bläschen verschwinden (nach ca. eineinhalb Wochen).

Magengeschwür

Krampfartige bzw. kolikartige Schmerzen, eventuell in Verbindung mit Schweißausbruch oder Brechreiz. Der Bauch ist weich.

Behandlung: Diät (Tee, Zwieback, Knäckebrot, keine Alkoholika). Dazu eventuell Schmerzmittel, sowie säurebindende bzw. -hemmende Medikamente.

Gallenkolik

Auftreten von starken krampfartigen Schmerzen vor allem im rechten Ober- bis Mittelbauch mit Ausstrahlung bis hin zur rechten Schulter. Oft begleitet von Brechreiz und Gelbverfärbung der Augen. Urin kann dunkelbraun sein.

Behandlung: Nahrungskarenz für 24 Stunden. Buscopan Tbl. 3 x 2, Schmerzmittel, schließlich Aufbaukost mit Reisschleim, Tee und Zwieback. Bei Fieber sind Antibiotika indiziert.

Nierensteine

Dauerschmerz oder krampfartig auftretende Schmerzen mit Ausstrahlung in den Unterbauch, Hoden und in die Schamlippen, ausgehend von der Flanke oder dem Rücken. Eventuell rötlicher oder blutiger Urin.

Behandlung: Buscopan Tbl 3 x 2 täglich, Schmerzmittel nach Bedarf, reichlich Flüssigkeit, (mindestens 2 Liter pro Tag), feuchtwarme Umschläge, bei Fieber Antibiotika.

Ohnmacht

Langes Stehen, der Anblick von Blut oder eines Unfalles kann zu einer Blutverteilungsstörung mit Gehirnmangeldurchblutung und Bewußtlosigkeit führen. Vorher kommt es meist zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und kaltem Schweiß. Die Pulsfrequenz ist herabgesetzt im Unterschied zum Schock.

Behandlung: Flachlagerung mit Hochlagerung der Beine. Medikamente sind meist nicht notwendig.

Durchfall- Brechdurchfall

Wässriger Stuhlgang, dem eventuell Schleim und Blut beigemischt sein kann, begleitet von Erbrechen, eventuell Fieber. In der Regel harmlos, sistiert meist nach wenigen Tagen, jedoch sind das Wohlbefinden und die Aktivitäten der Betroffenen mitunter massiv eingeschränkt.

Ursachen: Nahrungsmittelvergiftung (vor allem wenn mehrere betroffen sind) Virusinfektion, Blinddarmentzündung u.a.m.

Gefahr: massiver Flüssigkeitsverlust (vor allem bei Kindern, die aufgrund der geringen Immunabwehr stärker gefährdet sind).

Behandlung: 24-stündige absolute Nahrungskarenz, Ersatz des Wasser- und Salzverlustes (1 TL Salz auf ein Liter Wasser; in kleinen Schlucken zu sich genommen zusätzlich Cola, Fanta uä. nach Entfernung der Kohlensäure). Kohletabletten, die in Wasser oder Tee aufgelöst werden bis zu einer Menge von 20 Stück pro Tag.

Bei Fieber: Antibiotika (zB. Ciproxin 500 - 2 mal 1 für 3 Tage).

Nach mindestens eintägiger Nahrunaskarenz: Aufbau mit Zwieback, Salzgebäck, Weißbrot, Reisschleim, Haferflockenschleim, frisch geriebenen Äpfeln, Bananen oder Karottenhaschee.

Verstopfung

Ursache: Umstellung der Eßgewohnheiten, Bewegungsmangel.

Vorbeugung:

  • Schlackenreiche Kost mit reichlich Vollkornbrot, Obst und Gemüse und Salaten
  • ausreichend Flüssigkeitszufuhr
  • ausreichend Bewegung

Behandlung:

  • 3 TL Milchzucker in Säften oder Wasser gelöst
  • starker Bohnenkaffee
  • Buttermilch, Joghurt, saure Milch,
  • Bei Fortdauer (mehr. als 4 Tage) 1 Dragee Dulcolax abends

Entzündung der Haut oder einer Wunde

Furunkel, Abszeß, Wundeiterung


Symptome: Rötung, Schwellung, Schmerzen, wärmer als die Umgebung

Behandlung:

  • Ruhigstellung, kalte, feuchte Umschläge (nicht jedoch bei offenen Wunden),
  • eventuell Schmerzmittel
  • Bei Fieber oder Auftreten eines roten Strichs: Antibiotikagabe
  • Bei Eiterbildung: Betaisodona-Lösung
  • Eiterblase mit steriler Schere oder Pinzette eröffnen und steril verbinden.

Herzinfarkt

Herzschmerz, der sich auf eine Kapsel Nitrolingual nicht bessert: Verdacht auf Herzinfarkt.

Symptome: heftige bis unerträgliche Schmerzen im Herzbereich mit Ausstrahlung in den Hals bzw. linken Arm verbunden mit Todesangst und Vernichtungsgefühl. Dazu Lufthunger, unregelmäßiger Puls.

Behandlung:

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper, keine aktiven Bewegungen, Valium, Schmerzmittel aus der Morphingruppe,
  • bei Kreislaufstillstand Vorgehen nach der ABC-Regel.
  • der Törn ist sofort abzubrechen, da wegen Lebensgefahr ärztliche Behandlung unbedingt erforderlich ist.

Hexenschuß

Lokalisiert im Hals-, Brust-, und Lendenwirbelbereich.

Symptome: Schonhaltung, Vorbeugung des Rumpfes, verspannte, druckschmerzhafte Rückenmuskulatur.

Behandlung: Schonlagerung ( harte Unterlage mit gebeugten Knie- und Hüftgelenken), trockene Wärme auf die Schmerzzonen, Bettruhe, Valium und Schmerzmittel.

Insektenstich

Vorbeugung:

  • Exakte Vergitterung der Schiffsöffnungen
  • Insektenspray und Räucherspiralen (gesundheitlich nicht unbedenklich)
  • Entsprechende Kleidung
  • Insektenschutzmittel (Repellentien), nicht jedoch bei Säuglingen
  • Vorsicht bei süßen Getränken in denen Wespen und Insekten schwimmen können (Vorbeugung bei Aludosen: Verwendung von Strohhalmen)

Gefahr: Giftwirkung, Allergien, Übertragung von Infektionskrankheiten, Infektion von Stich- oder Bißwunden.

Kennzeichen bei Insektenstichen:

  • Rötung,
  • Schwellung,
  • Schmerz,
  • Jucken,
  • Übelkeit,
  • Durchfall,
  • Schwellung an anderen Lokalisationen,
  • Nesselsucht (Quaddeln) ev. den ganzen Körper betreffend,
  • Fieber,
  • Atemnot,
  • Asthmaanfall,
  • allergischer Schock (Pulsbeschleunigung, Kreislaufkollaps, Bewußtlosigkeit)

Behandlung: Stachel wenn möglich entfernen, feucht-kalte Umschläge oder Eisbeutel, Kortisonsalbe mehrmals auftragen bei Auftreten von Juckreiz: Antiallergikum zB. Tavegyl-Tbl.

Insektenstich im Mund und Rachen

Es besteht hierbei die Gefahr, daß durch eine starke Schwellung der Weichteile die Atemwege verlegt werden.

Behandlung: Lutschen von viel Eis, Verabreichung von Kortison (Volon A-80, oral bzw. Injektion, Berodual), kalte Umschläge um den Hals und Beruhigung (Valium).

Bei Schockgeschehen: Schocklage, stabile Seitenlage bei Bewußtlosigkeit ev. kombinierte Wiederbelebung.

Kater

Entsteht meist nach übermäßigem Alkoholgenuß.

Behandlung: mehrere Stunden Schlaf, leichte Schmerzmittel, Alkohol- und Nikotinverbot.

Quallenberührung

Quallen haben Nesselkapseln mit Widerhaken, die sich bei Berührung in die Haut bohren. Es entlädt sich dabei Nesselgift. Im Mittelmeer eher harmlos. Gefahren sind ein ev. auftretender allergischer Schock oder Ertrinken durch Panik. Ähnliche Gefahren können bei Kontakt mit Korallen auftreten. Brennende Rötung an der Berührungsstelle.

Behandlung: Man badet die betroffene Stelle in verdünnter Salmiakgeistlösung oder Essig (man kann auch mit frischen Urin abspülen). Danach Betaisodona-Lösung, Kortisonsalbe und Antiallergikum (Tavegyl oder Celestamin-Tbl., der Helfer muß Einmalhandschuhe tragen). Bei Schockgeschehen Injektion von Kortison. Ein Abspülen der Berührungsstelle mit Wasser oder Alkohol verschlimmert die Giftwirkung.

Schlangenbiß

Die Bißmarke (meist am Fuß oder Unterschenkel) ist durch zwei kleine nebeneinander liegende Bißwunden erkennbar. Es kommt zu einer zunehmenden Schwellung eventuell in Verbindung mit Müdigkeit, Bewußtseinstrübung bis hin zur Herz-Kreislaufstörung.

Behandlung: Vermeidung aktiver Bewegungen um nicht die Giftausbreitung zu beschleunigen, Stauung der betroffenen Gliedmaße mit Gummibinde oder Dreiecktuch herzwärts.

Kreuzschnitt mit möglichst sterilem Messer im Bereich der Bißstelle, sodaß das Gift mit dem Blut ausgeschwemmt werden kann. Bei Atem- und Herzbeschwerden sowie Bewußtseinstrübung ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Seeigelstiche

Die Seeigel sind vor allem nachtaktiv. Die Stacheln brechen ab und bleiben mit ihren Kalkspitzen in der Haut stecken.

Behandlung: mit Betaisodonalösung abtupfen, mit steriler Kanüle (Injektionsspritze) die Haut unterfahren und mit einer Pinzette versuchen die Stacheln zu entfernen. Wenn die Stacheln abbrechen, klebt man darüber ein wasserfestes Pflaster oder Tesastreifen. Nach wenigen Tagen ist die Haut darunter aufgeweicht, sodaß sich beim Abziehen des Pflasters zusammen mit den Hautteilchen die Stacheln entfernen lassen. Danach Versorgung mit Betaisodonaverband, bei Bedarf Schmerzmittel.

Stachelrochen

Sie haben giftige Stacheln am Schwanz. Sie halten sich meist im flachen Strandbereich im Sand eingegraben auf. Der Schwanz wird gegen das Bein geschleudert und kann tiefe Wunden verursachen und Gift einbringen. Blutungen, Schwellungen und Schmerzen können die Folge sein. In schweren Fällen kollabiert der Betroffene und/oder Herzrhythmusstörungen treten auf.

Behandlung: Wundspülung mit Wasser, steriler Verband, Schmerzmittel, Antibiotikum, Beruhigungsmittel, ev. chirurgische Entfernung des Giftstachels.

Petermännchen und Drachenköpfe

Petermännchen haben Giftstacheln und giftige Flossen.

Drachenköpfe oder Skorpionfische genannt, sind besonders an der Dalmatinischen Küste häufig anzutreffen. Sie sind Nachtjäger, tagsüber halten sie sich in Felsnischen oder Höhlen auf. Das Gift der Drachenköpfe befindet sich in den Flossenstacheln; auch die Berührung toter Fische kann Vergiftungen hervorrufen.

Kennzeichen: Heftig schmerzende, meist schlecht heilende Wunde, Schwellung des betreffenden Körperteils. Meist klingen die Symptome nach wenigen Tagen (auch ohne Behandlung) ab.

Behandlung: siehe Stachelrochen

Vorbeugung von maritimen Verletzungen und Vergiftungen

  • rundum geschlossene Bade- oder Turnschuhe mit fester Sohle tragen
  • Vorsicht an menschenleeren Stränden
  • nicht in das Wasser gehen, wenn Quallen angeschwemmt wurden
  • wenn Quallen sich im Wasser befinden, dieses sofort verlassen
  • schlurfendes Gehen vermindert die Gefahr auf Tiere zu treten
  • nie unbekannte Fische, Schnecken, Muscheln oder Unterwasserpflanzen berühren
  • nie in dunkle Spalten oder Löcher greifen
  • nie dicht über dem Sandboden schwimmen oder tauchen
  • besondere Vorsicht bei stets riskantem Nachtschwimmen oder Nachttauchen
  • Haiverseuchte Gebiete meiden (meist in der Nähe größerer Häfen, Bereich von Schiffahrtsrouten)
  • nie Meerestiere aus abwasserverschmutzten Gewässern essen
  • Cousteau (gültig für das Mittelmeer): "nur einmal wöchentlich Meerestiere essen und alle Arten von Muscheltieren meiden."


Empfehlungen bezüglich Bordapotheke

Schmerzmittel:

  • ASPIRIN (Vorsicht bei empfindlichem Magen, Gastritisgefahr)
  • BEN-U-RON (Zäpfchen gegen Schmerzen und Fieber)
  • BUSCOPAN COMP. (bei krampfartigen Schmerzen wie Gallen- und Nierensteinleiden)
  • TRAMAL-Tropfen bei starken Schmerzen
  • MUNDIDOL (Suchtgift): bei stärksten Schmerzen

Antibiotika:

  • SUPRAMYCIN
  • CIPROXIN
  • AUGMENTIN

Verstopfung:

  • METAMUCIL (Zellulose), auf 400 ml Flüssigkeit gibt man 1 TL Pulver
  • DULCOLAX-Tabletten

Durchfall:

  • IMODIUM-Tropfen (bei Durchfall ohne Fieber)
  • CIPROXIN 500 mg (bei Durchfall mit Fieber)

Niedriger Blutdruck:

  • AGILAN
  • EFFORTIL

Hoher Blutdruck:

  • ADALAT 10 mg

Sodbrennen:

  • TEPILTA

Magengeschwür:

  • SUCRALAN
  • ZANTAC

Beruhigungsmittel:

  • VALIUM
  • PSYCHOPAX-Tropfen

Seekrankheit:

  • (Vorbeugend) STUTGERON,
  • VERTIROSAN
  • VOMEXA
  • BONAMINE

Übelkeit und Erbrechen:

  • MOTILIUM-Suspension
  • PASPERTIN

Herzanfall:

  • NITROLINGUAL-Kaps.

Allergie:

  • FENISTIL-Gel
  • ZYRTEC-Tabletten
  • KALZIUM-Brausetabletten
  • VOLON A 80 Spreampulle
  • ADRENALIN-MEDIHALER (bei allergischem Schock)

Asthma:

  • BERODUAL-Aerosol
  • VOLON A 80

Hustendämpfung:

  • BISOLVON
  • CODIPRONT

Zur äußeren Anwendung

  • BETAISODONA - Lösung oder PJK-Seife: für oberflächliche Wunden, zur
  • chirurgischen Desinfektion und auch bei Fußpilz
  • MERFEN-Lösung: bei oberflächlichen Wunden und Verbrennungen
  • ULTRABAS: Fettsalbe für gereizte Haut
  • REFOBACIN-Augensalbe: bei eitrigen Augen
  • BETN ESOL-Augentropfen bzw. -salbe: Bindehautreizung
  • OTRIVEN-Nasentropfen: Schnupfen
  • OTOSPORIN-Ohrentropfen: Gehörgangsentzündung
  • TALKUM-Puder, Fußpilzvorsorge
  • CANESTEN und PEVARYL: Fußpilz
  • FLAMMAZINE-Creme, DERMOVATE-Creme: Verbrennungen
  • FENISTIL-Gel: Insektenstiche
  • CAVIT: zur Füllung eines Zahnloches

Selbstverständlich ist bei chronischen Erkrankungen die verordnete Dauermedikation in Eigenregie mit -bzw. einzunehmen.

Die Verwendung von leistungssteigernden Medikamenten bei Ermüdung ist äußerst bedenklich, da diese ev. gefährliche Verkennungen und Wahrnehmungsstörungen i. S. von Halluzinationen verursachen können.

Impfungen

Infektionskrankheiten befinden sich nahezu weltweit im Vormarsch. Die bestmögliche Vorbeugung gegen das Auftreten derselben stellen Schutzimpfungen dar. Je nach Reiseplan und -ziel ist eine Vorbeugung sehr empfehlenswert oder notwendig.

Erkundigungen diesbezüglich sind beim Gesundheitsamt, Tropeninstitut bzw. Hygieneinstitut einzuholen (Rechtzeitig, da sich der Impfplan über mehrere Wochen erstrecken kann). Der Impfpaß sollte stets ein treuer Begleiter des Reisepasses sein.

Mindesterfordernis für mediterrane Gebiete:

  • Tetanus (meist tödlich)

  • Infektiöse Gelbsucht (Hepatitis A und B)

  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)

  • Typhus (L-Typhoral an 3 Tagen innerhalb von 5 Tagen)

  • FSME

  • Malaria (vor allem in östlichen Mittelmeerländern, versch. Präparate je nach Reisegebiet)

  • Aidsschutz (kein ungeschützter Geschlechtsverkehr, keine dubiosen iv-Injektionen und Bluttransfusionen in Entwicklungsländern)


Radiomedical - Funkarzt - Gespräch

Es handelt sich dabei um eine Dringlichkeitsmeldung, die mit dem Dringlichkeitszeichen PAN PAN beginnt.

Man verwendet bei der Erstaussendung für Anruf und Meldung die internationalen Anruf- und Notfrequenzen:

  • UKW Kanal 16 (156,8 MHz ) oder

  • Grenzwelle (2182 KHz)


Läuft gerade Notverkehr auf den Kanälen, tätigt man in einer Sprechpause einen Kurzanruf und meldet sich am Arbeitskanal bzw. auf der Arbeitsfrequenz.

Kurzanruf:

  • (in der Sprechpause bei gerade laufendem Notverkehr)
  • PAN PAN
  • Delta Echo (hier ist)
  • 1 mal Schiffsname
  • 1 mal Rufzeichen der Station
  • ich gehe auf Kanal...
  • OVER

Normales Anrufverfahren auf Kanal 16:

  • 3 mal PAN PAN
  • 3 mal AN ALLE Funkstellen oder CHARLIE QUEBEC (an alle Schiffe)
  • 3 mal HIER IST (bzw. DELTA ECHO) und Schiffsname
  • 1mal eigenes Rufzeichen
  • 1 mal PAN PAN + Schiffsname
  • 1 mal RUFZEICHEN
  • 1 mal möglichst GENAUE POSITION (Koordinaten, Entfernung und Richtung von einer Marke)
  • 1 mal Grund für PAN PAN (Mann über Bord, Herzinfarkt, ua.)
  • 1 mal Erbetene Hilfeleistung (dringende Hilfeleistung erbeten, erbitten Funkarztgespräch ua.)
  • 1 mal Schiffsname und Rufzeichen
  • OVER

Vor der Durchführung des Dringlichkeitsverkehrs sollten folgende schriftliche Aufzeichnungen vorbereitet werden:

  • Yachtname und Rufzeichen

  • Vorgeschichte, Art des Unfalles, Art der Verletzungen, Zeitpunkt des Geschehens

  • Zustand des Kranken (Puls, Atmung, Temperatur, Bewußtseinszustand; Medikamenten- Alkohol-, Drogeneinnahme; ev. Impfungen)

  • Beschwerdebild

  • Aussehen des Kranken ( Hautfarbe, trocken, schweißig, Aussehen von Harn und Stuhl, Erbrechen)

  • Information über Bordapotheke und vorhandene Instrumente

  • Position der Yacht (u.a. Distanz bis zum nächsten Hafen)


Hygiene an Bord

Trinkwassertanks bestehen aus Aluminium, Stahl, Kunststoff oder Gummi wobei die letzteren gelöste organische Stoffe enthalten, die für Bakterien und Algen einen guten Nährboden abgeben können.

Aus diesem Grunde sollten die Trinkwasserbehälter am Ende der Saison vollkommen entleert werden.

Im Frühjahr empfiehlt sich die Reinigung der Tanks über die Revisionsöffnungen. Wassersäcke sollte man ausbauen und mit heißem Wasser reinigen. Bei der Indienststellung sind die Trinkwasserbehälter zu desinfizieren (KATADYN, MICROPUR entsprechend der Gebrauchsanweisung). Keime können sich im heißen Wasser nahezu explosionsartig vermehren, das Wasser riecht und schmeckt danach faulig.

Bei jedem Neubunkern von Wasser sollte ein Keimfreihaltungsmittel dazugegeben werden. Zudem stehen Filtergeräte, die von Hand zu bedienen sind, zur Reinigung und Keimfreihaltung in Verwendung.

Wasserbedarf eineinhalb bis 2 Liter pro Tag in Abhängigkeit von der Lufttemperatur. Der Mindestbedarf beträgt ca. einen halben Liter täglich, Regenwasser ist erlaubt. Niemals darf jedoch Meerwasser getrunken werden, denn es führt zu Nierenversagen. Leitungswasser soll nicht zum Zähneputzen verwendet werden, selbstverständlich soll es auch nicht getrunken werden (vor allem wenn in der Umgebung Weideplätze vorhanden sind).

Zur Genießbarmachung kocht man das Wasser mind. 10 min., und versetzt es danach mit einem desinfizierenden Zusatz (chlorhaltiges Desinfektionsmittel oder silberhältiges MICROPUR).

Vorsichtsmaßnahmen bei der Ernährung zum Schutz vor Darminfektionen

  • vor Mahlzeiten Hände waschen

  • Zähneputzen mit abgekochtem Wasser (mind. 10 min.) welches mit desinfizierendem Zusatz versehen ist.

  • Würfeleisherstellung nur aus Mineralwasser

  • Vorsicht bei Speiseeis, da es ein guter Bakterienträger ist

  • Obst und Gemüse kochen bzw. schälen

  • keine Mayonnaisen verwenden

  • kein rohes Fleisch, kein roher Fisch, Krebse, Krabben, Austern und Muscheln (können Träger von Typhus, Paratyphus und Hepatitis-Erregern sein).

  • Milch abkochen

Speisenaufbewahrung

Speisen können auch im Bordkühlschrank nicht beliebig lange genießbar gehalten werden (v.a. nicht in warmen Gebieten). Die Kost ist derart auszuwählen, sodaß auf den Kühlschrank verzichtet werden könnte.

Ein Doseninhalt kann auch in ungeöffneten Dosen verderben und ungenießbar werden. Bombierte (vorgewölbte Dosen) sind gefährlich und müssen unbedingt verworfen werden; ebenso angeschimmelte und verschimmelte Nahrungsmittel.


Hubschrauberbergung

Das Schiff befindet sich unter Motor mit geborgenen Segeln in sicherer Fahrt, sodaß es jederzeit gut steuerbar ist. Es soll ca. 20° bis 30° gegen den Wind andampfen. Je geringer die Fahrt ist, um so stärker bzw. nachteiliger wirkt sich der Abwind der Rotorblätter (down-wash), der bis zu 150 km/h betragen kann, aus. Es müssen daher alle beweglichen Gegenstände von Deck klariert sein.

  • Beidrehen, wenn der Motor nicht einsetzbar ist, Großsegel und Fock reffen.

  • Den Verletzten ins Schlauchboot übersetzen (mit einem wasserfest umhüllten Begleitschreiben über die Einzelheiten des Unfalls, der getroffenen Maßnahmen, der verabreichten Medikamente u.a.m.)

  • Das Rettungsgerät des Hubschraubers (Schlinge, Netz, Trage, Korb, Rettungsanker) wird wenn möglich durchs Wasser gezogen um die elektrische Spannung des Flugkörpers zu erden (ansonsten erhält man beim Ergreifen einen elektrischen Schlag der jedoch völlig harmlos ist).

  • Die Rettungsschlinge wird über dem Kopf unter die Arme geführt, sodaß sie direkt unter den Achseln anliegt. Beim Hochwinden müssen die Hände eng an die Oberschenkel gelegt werden. Schwerverletzte werden mittels Rettungsnetz geborgen.

  • Zeichen für: "Alles klar zum Hieven" - Ausstrecken eines Armes, mit geballter Faust und nach obengerichtetem Daumen.

  • Der Helfer im Schlauchboot muß mit demselben durch einen Sicherheitsgurt gesichert sein, da durch den down-wash das Schlauchboot umgeworfen werden könnte.

  • Die Leitung des Rettungsmanövers obliegt der Hubschrauberbesatzung.

  • Die beste und sicherste Methode ist das Abbergen direkt aus dem Wasser, weil die Rettungsgeräte und -mannschaften in erster Linie darauf ausgerichtet sind.

  • Wenn der Zustand und die Verletzungen des zu Bergenden diese Möglichkeit erlauben sollte der Betreffende, gesichert mit Schwimmweste und leicht kappbarer Verbindung zur Yacht, beim Herannahen des Hubschraubers ins Wasser springen.

  • Die Direktbergung von Bord (nach Entfernung von Dirk und Achterstag, Festzurren des Großbaumes an Deck, nachdem er bis zur Want gefiert und fixiert wurde) ist wegen der Gefahr des Vertörnens des Rettungsseils am Rigg ein nur selten durchgeführtes Manöver.